Hexenkraut und Zauberblume

Hexenkraut und Zauberblume

 

Die Kräuterfrau der Kurfürstin.

 

Im Schloß Caputh an der Havel gibt es eine Sonderausstellung, genannt „Mäßige Ergetzlichkeiten und erschröckliche Wildnisse“ (Haven Volck e.V.) Ein Rundgang durch den Alltag der frühen Neuzeit.

Dazu gab es heute eine Begegnung mit Alfruna, Kennerin der Kräuter aller Arten zur Zeit des 16. Jhdt.

Als Kräuterfrau der Kurfürstin Katharina von Brandenburg-Küstrin erfahren wir sogleich, es ist ein dubioses Gewerbe, das Kräuter sammeln. So muß sie gewisse Kräuter just am Sonntag, wenn der fromme Mensch zur Kirche eilt, im Walde ernten, denn nur dann haben diese ihre Wirkung. Nichts desto trotz hat jene Kurfürstin die erste Apotheke in Berlin, am ehemaligen alten Schloßbau, eröffnen lassen.

Überhaupt ist die Welt in die sie uns Alfruna mit nimmt stark geprägt von Sagen, Mythen und Legenden, die den Bezug von Pflanzen aller Art und ihrer Bedeutung im (Aber-) glauben des einfachen Volkes vergangener Zeiten zum Ausdruck bringt. So werden uns verschiedene Anwendungen die an Zauberrituale erinnern erklärt und zur Nachahmung empfohlen. Zwischen durch gibt’s erstaunliche Erkenntnisse über unscheinbare Gewächse am Wegesrand, die frisch gepflückt, sich sofort als durchaus schmackhaft genießbar erweisen. So ist z.B. Giersch, des Schrebergärtners feindliches Unkraut, ein ausgezeichnetes Salatkraut.

Das natürlich auch der -Gott sei bei uns- ständig durchs Kraut dräut, versteht sich von selbst. So wurden wir über die Herkunft des Namens „Petersilie“ aufgeklärt. Der „schwarze Peter“, der „Swarte Piet“ ist der Namensgeber als alter ego für den Fürst der Finsternis. Das Petersilie aber zu Alfrunas „Bestsellern“ gehört, erstaunt die Gäste vorab. Warum? Tja, galt das Kraut doch als unschlagbares männliches Potenzmittel, auf das auch die anwesenden herrschaftlichen Gäste nicht verzichten wollten.

Ob die Kurfürstin damit ihrem Eheglück nachhelfen wollte ist nicht bekannt. Ob sie neben ihrer protestantischen Religiosität auch den Worten der Frau des Scharfrichters, eben jener Alfruna, in Bezug auf das Jenseits von „Frau Holles Apfelgarten“ Glauben schenkte, ebenso wenig.

Und so ist der Rundgang durch den Park von Caputh auf den Spuren des Alltags in der frühen Neuzeit ein zugleich lehrreicher als auch höchst amüsanter geworden.